Christenverfolgung: Interview mit zwei jungen Kopten

Gepostet am Aktualisiert am


Sara ist 15 Jahre alt und mit ihren Eltern und jüngeren Geschwistern im Sommer 2013 aus Ägypten nach Deutschland geflohen. Ägypten wurde von dem OpenDoors Weltverfolgungsindex 2014 auf Platz 22 eingestuft.

Michael (Mike) ist Mitte 20 und kommt aus der ärmlichen Region Al-Minya in Ägypten. Das Bildungsniveau dort ist nicht annährend so hoch wie in den Städten und die Christen werden deshalb stärker ausgegrenzt und es kommt häufiger zu Übergriffen.

Ich lernte Sara , Mike und die anderen ägyptischen Kinder/ Jugendlichen im Asylheim kennen und verbrachte beinahe jeden Herbsttag und -abend 2013 mit ihnen. Ich durfte Einblick nehmen in eine Kultur und ein Christentum, dass mir bis dato völlig unbekannt war: die Kopten.

2014-06-15 22.22.14
Sara

Die Kopten teilen ein äußeres Merkmal: Sie sind tätowiert. Sogar die Kinder tragen  ein tätowiertes koptisches Kreuz am rechten Handgelenk. Dieses Kreuz bedeutet Identität und Zusammengehörigkeit. Die Kopten erzählten mir, dass radikale Islamisten in Ägypten koptische Kinder entführen würden, um deren Familie 1. um Lösegeld und 2. zur Bekehrung zum Islam zu zwingen. Die Kreuze dienen der Identifikation der Kinder und deren wahren Wurzeln.

Mike
Mike

Überleben einer christlichen Minderheit in einem islamischen Staat. Darin ist die koptisch- orthodoxe Kirche Experte! Gründer der koptischen Kirche soll der Evangelist Markus gewesen sein. Im 7. Jahrhundert begann mit der islamischen Eroberung Ägyptens die Christenverfolgung. Die Kopten haben bis heute in Ägypten überlebt, eine Gnade Gottes, sagt Sara.

Sara ist stolz Koptin zu sein. Sie ist sehr reif für ihr junges Alter und möchte, dass ich ausdrücklich schreibe, dass ihre Gedanken und Antworten nur ihre sind und sie hier nicht die Kopten an sich repräsentiert.

Frage: Sara,  wie war es für dich als junges koptisches Mädchen in einem islamisch Land aufzuwachsen?

Sara: Als ich ein noch Kind war, hatte ich keinerlei Probleme. In der Schule konnte ich mit allen Kindern spielen, auch mit muslimischen.  Doch meine Eltern haben immer augepasst, dass ich nie alleine an Orten war, wo nur Moslems waren. Als ich dann älter wurde habe ich gemerkt, dass Menschen entweder gut oder böse waren, egal ob Moslem oder Nicht-Moslem. Ich habe immer Kontakt zu guten Menschen gesucht, gute muslimische Freundinnen gefunden und mich von den anderen fern gehalten. Aber meine Eltern- besonders meine Mutter- war immer misstrauisch gegenüber Moslems und wollte nicht, dass ich ganz enge Freundschaften eingehe. In dem Jahr, als Präsident Mursi und die Muslimbruderschaft an die Regierung kam, wurde es gefährlicher für die jungen Mädchen und Frauen.

Frage: Mike, wie war es für dich in Ägypten als Kopte aufzuwachsen?

In islamischen Ländern gibt es für Christen keine große Freiheit, weder im Alltag noch in der Religionsausübung. Wir tragen alle das Risiko, von der Regierung und Bevölkerung verfolgt zu werden, besonders nach der Revolution. In den letzten drei Jahren, seit der Revolution, hat die Christenverfolgung in Ägypten zugenommen und es hilft niemand außerhalb und innerhalb des Landes. Mit jedem Überfall oder Attentat, das verübt aber nicht bestraft wird, steigt die Gewaltbereitschaft der radikalen Moslems und unsere Freiheiten werden immer mehr beschränkt. Die Angst lässt einen verbittern. Viele Eltern lassen ihre Töchter aus Angst nicht unbeaufsichtigt oder unbegleitet auf der Straße laufen oder auf Colleges und Universitäten gehen, weil sie Angst haben, dass ihre Töchter dort belästigt, bedroht  oder entführt werden.

Frage: Wie überlebt die koptisch-orthodoxe Kirche in Ägypten?

Mike: In Ägypten spielt die Kirche eine große Rolle im sozialen Leben. Wir treffen uns mehrmals in der Woche in  vielen Gruppen, z.B. in der Jugendgruppe oder Lobpreisgruppe. Es gibt auch viele Gruppen, die sich um die Kranken und Bedürftigen kümmern. Es gibt Sonntagsschulen und Sommercamps für Kinder und Jugendliche, wo sie Bibelarbeiten machen, über Themen diskutieren und Kirchenlieder schreiben und singen. Daneben gibt es sehr viele Freizeitangebote wie Chöre, Malen, Musik etc.

(Zusatz von Zalea: Nirgendwo können die Kopten so frei sein und sich entfalten, wie innerhalb der Kirche. Der Priester wird „Vater“ genannt und nimmt auch wirklich eine väterliche Rolle ein. Die Jugendlichen gehen mit allen Problemen und Fragen immer ihrem „Vater“. )

Sara: Die koptisch- orthodoxe Kirche ist nicht so verfolgt, wie christliche Kirchen in anderen arabischen Ländern. In der ägyptischen Revolution 2011 haben normale Moslems unsere Kirchen beschützt. Ich denke, dass Problem ist ein gleichgültiger Präsident, der Angreifer auf unsere Kirchen und Mörder einfach nicht vor Gericht bringt. Aber über all die Jahrhunderte wird unsere Kirche nur von Gott allein beschützt.

Frage: Was ist für dich speziell an der koptisch-orthodoxen Kirche?

Mike: Ich weiß es nicht. Die Kirche ist von Land zu Land verschieden. Das Christentum an sich ist die Religion der Liebe und Vergebung und lehnt Gewalt ab. Viele Christen bevorzugen die Verfolgung im Namen Jesu statt ihr Land zu verlassen. In Ländern wie Ägypten, Syrien und dem Iran werden die Rechte der Christen mit Füßen getreten, besonders dort, wo die Sharia herrscht. Leider interessiert sich dafür niemand.

Frage: Wie erlebst du Christen in Deutschland?

Sara: Ich habe den Eindruck, dass die Christen in Deutschland nach den Geboten der Bibel leben aber einfach nicht zur Kirche gehen.

Mike: Ich kann dazu nicht viel sage aber ich bin unglücklich, dass so viele Deutsche nicht in die Kirche gehen. Ich glaube, es liegt am Gottesdienst.

Frage: Was ist dir an Jesus am wichtigsten?

Sara: Gottes Gnade ist das Beste für mich. Jesus vergab sogar denjenigen, die ihn umgebracht haben. Seine Gnade und Gerechtigkeit haben kein Ende.

Mike: Jesus ist der Anfang und das Ende. Er hat das Universum erschaffen und hält unser aller Schicksal in Händen. Er bleibt derselbe heute und morgen und für alle Zeit. Er ist unbesiegbar und er beschützt uns. Er bringt der Welt Frieden und er ist für uns gestorben, damit wir Leben haben. Die Liebe und das Leben, was er anzubieten hat, ist unbegrenzt. Er ist freundlich und gütig. Er ist mein Retter und meine ganze Freude und Sicherheit im Leben.

Frage: Wofür können wir beten?

Sara: Dass Gott Ägypten einen guten, gerechten Präsident in Ägypten schenkt, der die Rechte der Kopten stärkt und schützt.

Mike: Betet für alle verfolgten Christen weltweit, dass Gott bei ihnen ist und sie schützt. Betet für mein Land Ägypten und meine Familie, die ich dort zurücklassen musste und alle Kopten, die das Land verlassen mussten und ihre Familien verlassen haben, weil sie Sicherheit und Frieden in ihrem Leben haben wollen. Betet für mich, weil ich schwach bin und dass Gott mir hilft ein neues Leben hier aufzubauen. Aber ich bin zuversichtlich.

 

 

Geschrieben von Zalea am 15.06.2014

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